Andacht 21.02.2021 – Sonntag Invocavit


Pastorin Jutta Grashof

Musikeinspielungen: Kantor Julius Mauersberger

Gott ist gegenwärtig

Gebet
Gott, wir kommen zu dir mit allem, was uns bedrängt.
Wir bitten dich:
Nimm von uns, was uns von dir und unseren Mitmenschen trennt.
Lass uns hören, was du uns sagst mit deinem Wort
Lass uns nicht zweifeln, wenn wir vom Leben hart getroffen werden.
Lass uns spüren, dass du in unserer Nähe bist.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Psalm 91

Lesung
Evangelium nach Johannes (13, 21-30) (Züricher Übersetzung)

Nachdem Jesus dies gesagt hatte, geriet er in Erregung und sagte noch einmal mit Nachdruck: Amen, amen, ich sage euch, einer von euch wird mich ausliefern. 22 Die Jünger schauten einander ratlos an, weil sie nicht wussten, von wem er redete. 23 Einer von den Jüngern Jesu lag in seinem Schoss, der, den Jesus liebte. 24 Diesem nun gibt Simon Petrus einen Wink, er solle herausfinden, wer es sei, von dem er rede. 25 Da lehnt sich jener an die Brust Jesu zurück und sagt zu ihm: Herr, wer ist es? 26 Jesus antwortet: Der ist es, dem ich den Bissen eintauchen und geben werde. Dann taucht er den Bissen ein, nimmt ihn und gibt ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27 Und nachdem der den Bissen genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Da sagt Jesus zu ihm: Was du tun willst, tue bald! 28 Niemand am Tisch verstand, wozu er ihm das sagte. 29 Denn weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir für das Fest brauchen, oder etwas für die Armen, damit ich ihnen etwas geben kann. 30 Als nun jener den Bissen genommen hatte, ging er sogleich hinaus. Und es war Nacht.

Ich steh vor dir mit leeren Händen

Predigt
Kennen Sie jemanden, der Judas heißt? Wohl eher nicht. Seit Jahrhunderten verbindet das christliche Abendland mit diesem Namen einen Schurken. Judas, das ist der Hinterhältige, der Verräter. Den schlechten Ruf hat sich der Name eingehandelt, weil einer der engsten Freunde Jesu, Judas Ischariot, zum Verräter an Jesus wurde. Er gibt den wichtigsten Hinweis an die Tempelbehörde, um Jesus verhaften zu können und vor Gericht zu bringen. Mit einem Kuss verrät Judas Jesus an die Soldaten. Wie die Geschichte weitergeht, ist bekannt: Jesus wird zum Kreuzestod verurteilt. Judas kann damit nicht zurechtkommen und bringt sich um. Das ist die zweite Tat, die dem Namen Judas anhaftet: die Selbsttötung. Über Jahrhunderte galt sie als Todsünde. Selbstmörder wurden nicht christlich beerdigt. Beides hat sich geändert. Selbsttötung wird heute in Kirche und Gesellschaft vielseitig diskutiert und bewertet.

Was aber ist mit dem Verrat? Judas verrät seinen Freund. Warum? Es gibt unterschiedliche Erklärungsversuche: Wollte Judas damit zeigen, wie enttäuscht er von Jesus war, wie zerrüttet sein Verhältnis zum König der Juden? Oder wollte er mit diesem Schritt Jesus zwingen, nun endlich seine Macht als Messias zu beweisen? Beide Antworten können stimmen. Der Text, der zum Sonntag Invokavit Predigttext ist, lässt beide Möglichkeiten zu.

Das wichtigste aber erscheint mir zu sein, was Jesus zu Judas sagt: „Tu, was du tun musst. Und mach voran!“ Jesus hält Judas nicht auf. Er sagt: Ich weiß genau, was du planst. Vor mir verheimlichst du nichts. Und wenn es sein soll, dass du mich verrätst, dann tut es. Ich hindere dich nicht. Jesus zeigt: Ich bin der Herr. Ich habe die Dinge in der Hand und wenn ich in den Tod gehen muss, dann tue ich das, weil es mein Auftrag ist, nicht weil du mich verrätst. Und wenn ich das Böse nicht abwehre, das Du, Judas, planst, dann tue ich das mit vollem Bewusstsein. Es ist nicht meine Aufgabe, in das Handeln der Menschen einzugreifen. Meine Aufgabe ist es, ihnen einen besseren Weg durch das Leben zu zeigen. Und meine vorrangige Aufgabe ist es, ihnen einen Weg zum Vater zu weisen – durch den Tod hindurch, notfalls durch den Tod am Kreuz. In diesem Fall ausgelöst durch einen Verräter.

Verrat. Das ist wohl das Gegenteil von Vertrauen. Viele Menschen der Gegenwart leiden noch heute darunter, dass sie in einem früheren Gesellschaftssystem von Freunden und Familie verraten wurden. Gleichzeitig bewundern wir Menschen mehr oder weniger, die sich als Whistleblower an die Öffentlichkeit wanden, oder wir feiern diejenigen, die die Panama Papers oder die Paradise Papers den Finanzbehörden weitergaben. Gibt es folglich bösen und guten Verrat? Verrat, der die Menschheit bewahrt und rettet, und Verrat, der vernichtete? Und zu welcher Sorte gehört der Verrat des Judas? Hätte Jesus uns nicht erlöst, wenn Judas ihn nicht geküsst hätte? Wer wagt das zu bewerten?

Verrat ist das Gegenteil von Vertrauen. Wie immer wir Verrat bewerten müssen, eines bleibt: Jesus bleibt der Herr auch über den Verrat. Selbst Verrat ist bei ihm aufgehoben. Jesus trägt ihn ans Kreuz. Und alle, die sich „verraten und verkauft“ fühlen, sind in Christus geborgen.

Jesus geht ans Kreuz. Er trägt Elend und Schuld, und er vergibt dem, der bereut.

Die ganze Welt hast du uns überlassen

Fürbitten

Gott, wir bitten dich:
Lass uns aufmerksam bleiben,
wo sich Verrat ankündigt.
Befreie uns von Selbsttäuschungen
und Trugbildern.
Hilf uns, kritisch zu sein, uns selbst gegenüber
und den Meinungen, die wir vertreten.
Stärke unser Miteinander,
damit wir als Gemeinde beieinander bleiben.
Lass uns die Tür offen halten,
denn du bist die Barmherzigkeit.
Sei unsere Mitte, Gott, deine Liebe soll
unsere Maßstäbe und Beurteilungen bestimmen.
(Quelle: GottesdienstPraxis A III./2 2021)

Vaterunser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Eine feste Burg