Andacht Judika, 29. März 2020

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13, 12-14)

Liebe Gemeinde,

das Wort kommt Ihnen bekannt vor? Ja, der letzte Vers aus diesem Abschnitt wird gerne als Bibelwort zur Bestattungen gewählt. Das Wort ist ein Trostwort.

In diesen Stunden blicken viele wie gebannt auf die Fallzahlen. Wir hören von Toten in Europa, Amerika und Indien. Die Angst wächst, dass auch in Deutschland der Coronatod an die Türen klopft. Das ist berechtigt. Doch dürfen wir darüber nicht verschweigen, dass gleichzeitig der Tod an so viele andere Türen klopft. An die Zelte in der Flüchtlingslagern, an die Eingänge der Hütten von Bauern in Ostafrika und an die Tore kriegsführender Staaten. Der Tod kommt mit Seuchen, mit Bomben, mit Dürrekatastrophen und Heuschreckenschwärmen. Heute, morgen und wahrscheinlich auch noch in Jahren. Der Tod ist ein allgegenwärtiger Begleiter, auch wenn wir ihm versuchen, aus dem Weg zu gehen. Gott sei Dank, das gelingt häufig. Das gelingt durch sorgsamen Umgang miteinander. Das gelingt mit Forschung, mit unbürokratischen Hilfen und innerhalb einer Staatengemeinschaft. Da gelingt mit Verhandlungen und Diplomatie. Das gelingt mit humanitärem Handeln und einer großen Spendenbereitschaft unter den Menschen. Mit Vielem weisen wir dem Tod die Tür, aber eben nicht immer.

In allen Nöten, mit denen wir umgeben sind, hören wir an diesem Sonntag zweierlei:

Zum ersten werden wir daran erinnert, dass Jesus den Weg durch Leiden und durch den Tod gegangen ist. Er hat alles auf sich genommen, was uns bedrängt und bedrückt. Er hat Schmerzen ertragen, er hat sich gedemütigt, er stand einer Staatsmacht gegenüber, die ihn schließlich zu Tode brachte. Jesus weiß, wie es ist, Angst zu haben. Er kennt das Gefühlt, dem Kommenden ausweichen zu wollen, er bittet Gott inständig, den Todeskelch an ihm vorübergehen zu lassen. Doch gleichzeitig hat er mit seinem Leiden und seinem Tod uns Menschen nahe zu Gott gebracht. In unserem Bibelexte heißt das so: „Er heiligt sein Volk!“ das klingt für uns unvorstellbar und wirft viele Fragen auf – und gleichzeitig klingt es so tröstlich: Jesus hat dafür gesorgt, dass wir Menschen ganz in Gottes Nähe leben dürfen mit allen unseren Ängsten und Sorgen, mit unseren Katastrophen und unserem Fehlverhalten. Gott wendet sich nicht ab. Das hören wir immer und immer wieder aus den Worten des Evangeliums.

Zum Zweiten hat das einen Aufruf zur Folge: Gehen wir hinaus! Gehen wir zu denen, die leidend. Gehen wir vor die Tore mit unseren Gedanken, mit unseren Herzen und mit unserem Gebet. Seien wir bei unserem nächsten Nachbarn, Angehörigen und Freund. Seinen wir bei unseren Nächsten in der Welt. Halten wir aus, dass die Tragödien der Welt sich nicht ausradieren lassen. Helfen wir auf die Weise, die wir leisten können. Auch in Zeiten von Corona sind Spenden unerlässlich, z.B. für die Welthungerhilfe oder das Diakonische Werk, die weltweit in Krisengebieten humanitäre Hilfe leistet.

Denn, und nun folgt die Begründung: Wir leben in dieser Welt als Gäste: Wir haben als Gäste alles, was wir zum Leben brauchen. Trotzdem bleiben wir nur Gäste. Irgendwann werden wir nachhause gehen müssen. Heim, zu Gott. Dort ist unser Ziel. Dorthin bringt uns Jesus. Er lädt uns ein, ihm zu folgen. Er heißt uns einst willkommen im seinem Reich. Amen.