Grüße zum Sonntag Laetare, 22. März 2020

von Jutta und Johannes Grashof, Pastoren

Vorgeschlagener Predigttext Jesaja 66, 10-14

Was für ein Predigttext! In Zeiten wie diesen liegt uns ein am Sonntag ein Bibelwort vor, das beinahe zynisch klingt. „Freut Euch!“ so beginnt der Abschnitt. Wie sollen wir uns freuen, wenn in Italien tausende Menschen an einer Seuche sterben, wenn auch in Pasewalk die Angst umgeht, in vielen Wohnungen die Einsamkeit einkehrt und die Familien in Betreuungsnöte geraten? Ausgerechnet jetzt lesen wir bei Jesaja in seinem letzten Kapitel:

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker

wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14 Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.“

Bei diesen Worten steigen in mir Bilder von einer stillenden Mutter auf, Bilder der Zärtlich-keit, Nähe und vor allem: Bilder vom Leben. Mitten in der Krisenzeit, in der sogar das Einkaufen zum Konkurrenzkampf wird, werden wir auf Gottes Verheißung gewiesen: Hört und schaut, welchen Plan Gott hat. Sein Plan für uns heißt: LEBEN!

Jesaja ist Prophet. Er lebt in einer Zeit großer Bedrängnisse. Doch Jesaja blickt darüber hinaus und hört Gottes Stimme. Genau das ist der Punkt: Jesaja hört inmitten all der Stimmen von Angst, Verunsicherung, Ärger und Empörung die Stimme Gottes. Und die spricht vom Leben!

Gottes Wort weist uns über die Katastrophen der Welt hinaus. Gott bietet, was im Leben zählt, was nicht käuflich erworben oder in einem Labor entwickelt werden kann: Gottes Wort drängt uns zu Liebe, Achtsamkeit, Verantwortung und erfülltem Miteinander. Gott verheißt uns eine Zukunft und Leben über den Tod hinaus.

Die Situation um uns herum ist besorgniserregend und zwingt uns zu einem ungewohnten Alltag. Das schenkt uns aber Zeit, auf Gottes Stimme zu hören und sein Lebensangebot zu beherzigen. Nehmt Gott beim Wort und verlasst euch auf seine Verheißung. Er verlässt uns in Ewigkeit nicht.

Gebet:
Gott, gib uns Augen, dich nicht zu übersehen.
Gib uns Ohren, deine Stimme herauszuhören aus dem Stimmengewirr unserer Zeit.
Gib uns einen Mund, mit dem wir das Wort des Lebens verkündigen.
Gib uns ein Herz, deine Nähe anzunehmen. Heute und alle Tage. Amen